Lehre
Digitale Lehre 2020

Umsetzung der digitalen Lehre im Sommersemester 2020

Das Jahr 2020 hat uns alle vor große Herausforderungen gestellt. Mit der zunehmenden Ausbreitung des Corona-Virus musste im Februar die gesamte Lehre für das im März beginnende Sommersemester auf Online-Formate umgestellt werden. Hierfür waren weitreichende Anpassungen notwendig. Das Institut für Baumanagement und Digitales Bauen hat sich vollumfänglich auf synchrone Live-Vorlesungen eingestellt, um den Studierenden eine bestmögliche Lernumgebung im Rahmen des Online-Semesters zu ermöglichen. Hierfür lag der Fokus auf größtmöglicher Interaktion zwischen allen beteiligten. Die Reduktion auf Sprache, Mimik und einen kleinen Anteil Gestik wurden durch den kontinuierlichen Einsatz der Chat-Funktion, Ad-hoc Wissensabfragen, Live-Abstimmungen sowie durch Kleingruppenarbeiten in sogenannten "Break-Out-Rooms" kompensiert. 

Abgerundet wurden die Online-Vorlesungen durch eigenständige Vor- und Nachbereitung der Inhalte. Hierfür wurde die Lernplattform ILIAS mit umfangreichen Inhalten zur Vorbereitung und die aufgezeichneten Online-Vorlesung zu eigenständigen Nachbereitung für alle Studierenden zur Verfügung gestellt.

C Blended Learning beschreibt damit das entwickelte Konzept durch die Kombination von Online-Elementen des Selbststudiums mit interaktiven und synchronen Online-Vorlesungen. Mit dieser Konzeption konnten im Sommersemester 2020 unter besonderen Bedingungen rund 350 Studierende an den Online-Vorlesungen teilnehmen.

Die synchronen Veranstaltungen haben zur Motivation beigetragen und ich war das ganze Semester am Ball hinsichtlich des Stoffs für das Modul.
Student im Rahmen der Semesterevaluation (anonym)

C BLENDED LEARNING

Im Modul Digitales Bauen II (Interdisziplinäre Planung) wurde ein innovatives Online-Kollaborationstool eingesetzt. Durch das Konzept der Vorlesung, Studierende aus dem Fachbereich Architektur mit Studierenden aus dem Fachbereich Bauingenieurwesen interdisziplinär zusammenzubringen, gab es ein hohes Maß an geforderter Interaktivität für das Online-Semester. Mit der Software TERF war es möglich, sich in einem digitalen Raum in Form von Avataren zu treffen. In Gruppenräumen können Dateien ausgetauscht, gemeinsam bearbeitet und neue Ideen intuitiv entwickelt werden. Im zentralen Audimax findet man sich für Präsentationen und Vorträge mit der gesamten Gruppe zusammen. Die Studierenden können über eine dauerhafte Audioverbindung miteinander kommunizieren und mit menschlichen Gestiken aufeinander reagieren. Damit ermöglicht dieses Tool eine gänzlich neue Form der digitalen Interaktion. 

TERF Gruppenraum
TERF Audimax

Im Fokus des Moduls steht die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Bauingenieuren und Architekten. Gerade in Zeiten des dezentralen Arbeitens sind digitale Kollaborationstool eine unverzichtbare Unterstützung des Arbeitsalltags. Über eine gemeinsame Austauschplattform wurde eine Projekt gesamthaft bearbeitet. Digitale Methoden sind der zentrale Bestandteil dieses Moduls und ermöglichen eine fundierte Ausbildung und Schulung der Studierenden in diesem für die Bauwirtschaft zukunftsrelevanten Thema.  

Live-Vorlesung in Zoom

Bei den synchronen Online-Vorlesungen wurden alle Teilnehmenden dazu angeregt, das eigene Videobild zu übertragen um dadurch eine für beide Seiten angenehmere Vorlesungssituation zu schaffen. Ein weiterer positiver Effekt davon war das gesteigerte Maß an Interaktion über direkte Nachfragen.

Die Übertragung der Vorlesungsfolien wurde mehrfach durch digitale Tafelbilder untersetzt. Diese wurden gemeinsam erarbeitet und während der Vorlesung ausgefüllt. Vorgefertigte Templates ermöglichten es den Studierenden, das Tafelbild auch zuhause mitzuschreiben. Rückfragen dazu konnten über die Chatfunktion gestellt werden.  

Ein "digitales Tafelbild" wird live erstellt
Eine der besten Online-Veranstaltungen, sehr gute Nutzung der digitalen Möglichkeiten.
Student im Rahmen der Semesterevaluation (anonym)

Am Ende des Sommersemesters wurden die Studierenden nach dem von ihnen absolvierten Online-Semester befragt. Insgesamt 91 Studierende bewerteten die Online-Ausbildung mit dem C-Blended-Learning-Konzept in Bezug auf Praxisbezug, Struktur, Methodik und Interaktion als sehr gut.

Zusätzlich wurden die verschiedenen Vorlesungstypen (synchron, asynchron und konventionell) bewertet. Bemerkenswert ist, dass die Studierenden synchrone Vorlesungen sowohl beim Lernerfolg als auch bei der Motivation am besten bewerteten, so dass Live-Online-Vorlesungen sogar höher bewertet wurden als Vorlesungen mit Präsenz. Da die Auswertung mittels Live-Voting durchgeführt wurde, konnten die Studierenden direkt Stellung beziehen. Sie erklärten den höheren Lernerfolg mit weniger Ablenkung während der Online-Vorlesungen, einer besseren Vorbereitung durch die Lernplattform und der Möglichkeit der individuellen Nachbearbeitung durch Ansehen der aufgezeichneten Vorlesungen.

Natürlich muss davon ausgegangen werden, dass der coronabedingte Wegfall von Freizeitaktivitäten und Ferien zu weniger Ablenkung im privaten Bereich geführt hat, was wiederum zu einer aktiveren Beteiligung der Studierenden während des Semesters beigetragen hat. Nichtsdestotrotz haben die Studierenden mit dem C-Blended-Learning-Konzept ihre Lernziele mehr als ausreichend erreicht. Die Prüfungsergebnisse nach Abschluss des Sommersemesters sind dahingehend sehr erfreulich: So haben die Studierenden in unserem Bachelorstudiengang im Durchschnitt bessere Noten als in den letzten Jahren erzielt. Die Misserfolgsquote lag bei rund 10%, während unter normalen Bedingungen rund 40% der Studierenden die Prüfung nicht bestehen würden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das C-Blended Learning, das in Live-Sessions mit interaktiven Tools durchgeführt wird und durch Online-Lernelemente zur Vor- und Nachbereitung ergänzt wird, sehr gut geeignet ist, umfassende Lernziele zu erreichen.

ICoM_Evaluation_Sommersemester_2020.pdf
PDF, 341 KB